Obgleich Friedrich Rückert sich nicht sehr freundlich über Ebern geäußert hatte, ehrt ihn die Stadt in diesem Jahr mehrfach: Seit zehn Jahren mit den Musiktagen Ebern, mit einem Rundweg durch die Stadt und aktuell mit der Ausstellung „Friedrich for Future“ in der Galerie Ebern.
Was hat uns Rückert heute noch zusagen?
Mit der Frage „Was hat uns Rückert heute noch zu sagen?“ erläuterte Andrea Mayer, Geschäftsführerin der Rückert-Gesellschaft und Kuratorin der Ausstellung, im Rahmen der Vernissage das Konzept der Ausstellung, die in mehrere Themenbereiche untergliedert ist: Liebe, Verlust, Trauer, Heimat, Natur und die Welt, die den Universalgelehrten unmittelbar umgab.
Beim Thema „Natur“ wird offensichtlich, wie naturverbunden Friedrich Rückert war: Er zeigte sich kritisch gegenüber dem technischen Fortschritt seiner Zeit und als genauer Beobachter der Natur und der Jahreszeiten hatte er immer die Auswirkungen dieser Entwicklungen im Blick.
Verlust und Trauer
Von den „Kindertotenliedern“, die Rückert nach dem Tod von zwei seiner Kinder geschrieben hat, fühlte sich ein Amerikaner inspiriert, erzählt die Kuratorin. Er musste den Tod seiner Tochter verwinden und als Mitglied einer amerikanischen Rückert-Gesellschaft kannte er diese Gedichte. Er übersetzte sie in die englische Sprache und komponierte ein Lied, in welchem er seine Trauer beschreibt.
Wer hat es geschrieben?
Bei dem Thema „Liebe“ dürfen die Besucherinnen und Besucher selbst ihr Wissen testen. Von wem stammen die Zitate, die an einem großen Herz angebracht sind. Sind es Rückert-Zitate? Oder wurden sie Pop-Songs entnommen? Die Antwort findet sich auf der Rückseite der Zitat-Täfelchen.
Die Ausstellung ist eine gelungene Kombination aus Text- und Brief-Auszügen, Bildern und alltäglichen Gegenständen, etwa einer Fliegenklatsche. Die Exponate geben einen Einblick in das Leben des Orientalisten, dessen Name heute meist nur noch in Fachkreisen bekannt ist.
Gelungene Zusammenarbeit vor Ort
Die Ausstellung „Friedrich for Future“ wurde zuvor im Otto-Schäfer-Museum in Schweinfurt gezeigt. Impulsgeberin für die Ausstellung in Ebern war Barbara Gemeinhardt. Die Organisatorin der Musiktage Ebern besuchte die Ausstellung in Schweinfurt und schnell entstand die Idee, „Friedrich for Future“ anlässlich des zehnjährigen Jubiläums der Musiktage Ebern in der Galerie Ebern zu zeigen. Dieser Vorschlag stieß bei Stefan Andritschke, dem 1. Vorsitzenden des Bürgervereins Ebern e.V., auf offene Ohren. Ebenso bei Andrea Mayer, die sich als Kuratorin der Ausstellung über des Interesse freute, sowie bei Jan Soldin, dem Leiter des Otto-Schäfer-Museums.
Das Ergebnis ist eine rundum gelungene Ausstellung, die Rückert zugleich entstaubt und belegt, dass er wenig von seiner Aktualität verloren hat.
Bis 25. Oktober 2026 ist die Ausstellung „Friedrich for Future“ in der Galerie Ebern, Ritter-von-Schmidt-Staße 1, in Ebern zu sehen – jeweils sonn- und feiertags in der Zeit von 14 Uhr bis 17 Uhr. Am vierten Wochenende im September, vom 25. bis 27. September 2026, laden die Musiktage Ebern in die Pfarrkirche St. Laurentius ein, wo neben Mozart, Beethoven, Schostakowitsch, Weinberg, Webern auch die Lieder von Friedrich Rückert in einer Vertonung von Gustav Mahler auf dem Programm stehen.
Wer etwas Zeit mitbringt, kann vor den Konzerten die Ausstellung besuchen oder den Rückert-Weg ablaufen, der durch die Stadt führt und mit zahlreichen informations-Tafeln die Texte von Friedrich Rückert in Erinnerung ruft.